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Altmedikamente gehören nicht ins Abwasser

53. Sitzung des Abgeordnetenhauses von Berlin, 30. Januar 2020

Zu "Altmedikamente gehören nicht ins Abwasser! Richtige Entsorgung fördern" Antrag der Fraktion der SPD, der Fraktion Die Linke und der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Drucksache 18/1653

Dr. Wolfgang Albers (LINKE):

Vielen Dank, Frau Präsidentin! Meine Damen! Meine Herren! Der Antrag hat schon Sinn, Herr Zeelen. Googeln Sie mal „Altmedikamente“ und „Entsorgen“ und „Berlin“ – da finden Sie unter berlin.de, dem offiziellen Hauptstadtportal, zunächst eingerahmt den Hinweis:

In Berlin fallen Altmedikamente unter die Problemabfallverordnung, die ausdrücklich darauf hinweist, dass Arzneimittel nicht über den Hausmüll entsorgt werden sollen.

Etwas weiter unten im Fließtext heißt es dann:

Grundsätzlich erlaubt und sinnvoll ist daher die Entsorgung über den Hausmüll.

Auf der Website der BSR, die es ja eigentlich wissen muss, auf der gleichen Google-Seite, heißt es:

Arzneimittel gehören weder in die Hausmülltonne noch in die Toilette.

Dafür gibt es Recyclinghöfe mit einer Schadstoffsammelstelle, wird man belehrt. Direkt unter der BSR verkündet www.gesundheitsstadt-berlin.de: „Alte Medikamente dürfen in den Hausmüll“. Sicherheitshalber – gucken Sie da noch mal nach – auf der gleichen Google-Seite bei apotheke-adhoc.de, die belehrt Sie dann:

Laut Bundesumweltministerium zählen Altarzneimittel zum Siedlungsabfall und gehören deshalb in den Hausmüll.

Nun erscheint manchem die einfachste Lösung, die Dinger selbst zu schlucken, denn dann kann er sie ökologisch entsorgen.

Vizepräsidentin Dr. Manuela Schmidt:

Gestatten Sie eine Zwischenfrage des Abgeordneten Zeelen?

Dr. Wolfgang Albers (LINKE):

Nein, jetzt nicht! Es ist zu knapp, Herr Zeelen. Ist auch nicht so wichtig. – Wer den Leuten sagt, wohin nicht mit den Dingern, der sollte ihnen dann aber auch klar sagen, wohin damit. Ob die Medi-Tonne wirklich die Lösung, ob der Hausmüll nicht die elegantere Lösung ist, darüber kann man ja noch einmal diskutieren. Jedenfalls gibt es Handlungsbedarf in der Kommunikation. Aber eigentlich dürfte es Altmedikamente ja gar nicht geben, denn die sollen nicht in die Tonne, sondern die sollen in den Patienten.

Es wirft natürlich ein bezeichnendes Licht auf das Verschreibungsverhalten manchen Arztes: 3,5 Milliarden Euro im Gegenwert an Medikamenten werden in jedem Jahr versenkt, ohne dass der Patient die letztlich nimmt. Darüber sollten wir dann diskutieren, über die Packungsgrößen ebenfalls, aber vor allem sollten wir den Leuten klar sagen, was Sie jetzt mit den Dingern wirklich machen sollen. Insofern hat der Antrag in Form dieser Debatte dann doch noch irgendwo einen Sinn. – Danke!


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