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Die „Pille danach“ rezeptfrei machen

Levonorgestrel verhindert, unabhängig vom Zyklustag der Einnahme, die Reifung der Eizelle sowie den Eisprung unter der Voraussetzung, dass dieser noch nicht stattgefunden hat. Die „Pille danach“ ist deshalb keine Abtreibungspille.

aus dem Wortprotokoll

44. Plenarsitzung

lfd. Nr. 22:

Die „Pille danach“ rezeptfrei machen

Antrag der Fraktion Die Linke
Drucksache 17/1474

 

Präsident Ralf Wieland:

Vielen Dank! – Für die Fraktion Die Linke jetzt Herr Dr. Albers. – Bitte schön!

Dr. Wolfgang Albers (LINKE):

Vielen Dank, Herr Präsident! – Meine Damen, meine Herren! Eigentlich ist es ganz einfach, Herr Ludewig. Da empfiehlt der zuständige Sachverständigenausschuss beim Bundesinstitut für Arzneimittel mit all seiner Kompetenz, die sogenannte „Pille danach“ von der Verschreibungspflicht auszunehmen. Es gebe keine medizinischen Argumente, die einer Entlassung aus der Rezeptpflicht entgegenstünden, so wie in 28 anderen europäischen Ländern. Der neue Gesundheitsminister entscheidet dann, borniert und lebensfremd und auf das Selbstbestimmungsrecht der betroffenen Frauen pfeifend, genau das Gegenteil. Er wird dann dafür öffentlich von seinem Koalitionsfreund, dem gesundheitspolitischen Sprecher der SPD Herrn Lauterbach vehement beschimpft, er bevormunde mit seiner Entscheidung Frauen und enthalte ihnen ihre Rechte in einer Notlage vor. Genau deshalb empfiehlt der nette Herr Lauterbach in der gleichen Stellungnahme eine Bundesratsinitiative gegen die Entscheidung seines Gesundheitsministers. Genau hier setzt nun unser Antrag an, den die Piraten dankenswerterweise auch zu ihrer Sache gemacht und heute aufgerufen haben.

Levonorgestrel verhindert, unabhängig vom Zyklustag der Einnahme, die Reifung der Eizelle sowie den Eisprung unter der Voraussetzung, dass dieser noch nicht stattgefunden hat. Die „Pille danach“ ist deshalb keine Abtreibungspille.

[Beifall bei der LINKEN und den PIRATEN –
Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN]

Je zeitnaher das Medikament nach der Verhütungspanne eingenommen wird, umso sicherer ist die Wirkungsweise. Erfolgt die Einnahme innerhalb von 24 Stunden, besteht zu 95 Prozent ein Schutz vor ungewollter Schwangerschaft. Mögliche Nebenwirkungen, Herr Ludewig, sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Brustspannschmerzen, leichte Bauchschmerzen, Schwindelgefühle, leichte Blutungen und Zyklusverschiebungen, von der WHO als selten und mit milden Verläufen beschrieben. Rezeptfreie Schmerzmittel zum Beispiel dürften in dieser Hinsicht allemal problematischer sein.

[Beifall bei der LINKEN –
Vereinzelter Beifall bei der SPD,
den GRÜNEN und der LINKEN]

Die Ablehnung der Rezeptfreiheit wird dann ja auch nicht mit diesen unerwünschten Nebenwirkungen begründet, sondern dabei steht dann immer die angeblich so notwendige Beratung bei der Verschreibung im Vordergrund. Herr Montgomery, oberster Lobbyist der Bundesärztekammer, entdeckt plötzlich die therapeutische Notwendigkeit des Arzt-Patienten-Gesprächs im Hinblick auf geplatzte Kondome und möchte im Deutschlandfunk am 11. Februar im Zusammenhang mit der Verschreibung, wörtlich, „unbedingt ein Gespräch darüber führen, wie so etwas auch für die Zukunft verhindert werden kann“.

[Beifall bei der LINKEN und den PIRATEN –
Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN –
Allgemeine Heiterkeit]

Also ganz nah am Leben, das nächtliche Beratungsgespräch am Wochenende, allerdings nicht in der Praxis, denn die hat geschlossen, der spezialwissende, vielgeplagte Freiberufler schläft zu diesen Zeiten, sondern in den eh überfüllten Notaufnahmen der Krankenhäuser. So eine Scheinheiligkeit!

[Beifall bei der LINKEN, den GRÜNEN und den
PIRATEN]

Die haben da weiß Gott andere Probleme als geplatzte Kondome. Das sorgfältige Abwägen von Risiken für den Betroffenen stehe im Vordergrund. Das größte Risiko für die betroffenen Frauen besteht darin, nicht rechtzeitig an ein entsprechendes Rezept zu kommen, nachdem sie z. B. – es wurde ja erwähnt – von katholischen Krankenhäusern nachts abgewiesen worden sind, wie in Nordrhein-Westfalen, in Köln geschehen, und dann Gefahr zu laufen, ungewollt tatsächlich schwanger zu werden, und dann möglicherweise zu einer Schwangerschaftsunterbrechung greifen zu müssen. Welch groteske Logik!

[Beifall bei der LINKEN, den GRÜNEN und den
PIRATEN –
Vereinzelter Beifall bei der SPD]

Meine Damen und Herren von der SPD! Ihre Sache wird hier verhandelt. Es ist halt so eine Posse, wenn Katz und Hund gemeinsam regieren. Sie haben eh kaum mehr Gemeinsamkeiten, wenn ich mir den Herrn Henkel vorgestern in der Abendschau anschaue, also kommt es darauf nun auch nicht mehr an. Unterstützen Sie ganz einfach unseren Antrag! – Ich sehe, hier ist eine Zwischenfrage.

Präsident Ralf Wieland:

Ja! Gestatten Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Lauer?

Dr. Wolfgang Albers (LINKE):

Kein Problem, Herr Lauer!

Christopher Lauer (PIRATEN):

Hallo! Herr Ludewig hat ja leider nicht christideologisch argumentiert, sondern so pseudosachlich.

[Zurufe von der CDU]

Könnten Sie vielleicht als Mediziner mal irgendwie beschreiben, was so auf eine Frau zukommt, wenn sie denn dann schwanger wird? Also das stelle ich mir ja auch nicht ohne Risiko vor.

Dr. Wolfgang Albers (LINKE):

Herr Lauer! Vielleicht können wir dieses Beratungsgespräch am Wochenende in der Nacht führen, ja?

[Beifall bei der LINKEN, den GRÜNEN und den
PIRATEN –
Zuruf: Ja, danke!]

Präsident Ralf Wieland:

Vielen Dank! –


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